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Funktionalismus

 

Ist architektonischer Stil, der in einem Satz folgendermaßen zusammengefasst werden kann: „Die Funktion bestimmt die Form“. Die funktionalistischen Gebäude sind zwar sehr nüchtern, aber nicht  unkünstlerisch. Seit dem Ende der 20er Jahren bis zum Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war er der führende architektonische Stil. Auf dem Funktionalismus basieren noch weitere pseudokünstlerische  Richtungen  - der sozialistische Realismus oder Ruralfunktionalismus, sowie die architektonische Stilisierung im Dritten Reich. Für die funktionalistische Architektur sind typisch die zweckmäßigen Gebäude mit einfachen Formen. Eigesetzt werden insbesondere die neuen Materialien (z.B. scharlachrote Ziegeln, Eisen oder Beton).

 

Die Architekten, wie Adolf Loos (einer der berühmtesten Vertreter des Funktionalismus in den tschechischen Ländern) behaupteten, dass die Architektur keine Kunst ist, was jedoch nicht bedeutet, dass sie die ästhetischen Ideale nicht zu erfüllen braucht. Le Corbusier stellte in seinem Werk den Funktionalismus als neue Form dar, die vom Pomp und Kult der gekünstelten Ästhetik, die noch am Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts überwog, befreit ist. Die überflüssige Verzierung und unnötige Kompliziertheit  wurde durch die geometrische Sauberkeit  der Formen ersetzt. Ähnlich wie Adolf Loos das Ornament als Verbrechen bezeichnete, bemerkte Le Corbusier: „Die Dekoration ist von dem sinnlichen und primitiven Charakteristikum, dies gilt auch für die Farben, sie sind nur für niedrigere Schichten, Bauer und Wilde geeignet.“

 

Der Funktionalismus als Kunststil setzte sich nicht nur in der Architektur, sondern bedeutend auch im Design der Nutzkunst, Möbel und  Wohnaccessoires durch. Die Gedanken und Kunstgefühl von Le Corbusier wurden weiter durch die Schule Bauhaus in Weimarer Dessau entwickelt, deren Gründer und Hauptvertreter  Walter Gropius war. Zu seinen Seitgenossen und Nachfolgern zählen z.B. Marcel Breuer, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe oder Ludwig Hilbersmeier u.a., die  ein hochwertiges,  überzeitliches und heute stark nachgefragtes modernes funktionalistisches Design schufen.  

 

Tschechischer Funktionalismus

 

In Tschechien setzte sich der sog. tschechische Funktionalismus insbesondere im Möbeldesign und im Bereich Wohnaccessoires durch. Das Kredo der berühmten tschechischen Architekten zur Zeit der sozialen Spannungen war, dass die Grundpflicht des Architekten ist, eine rationelle und dadurch auch billige Einrichtung, die für breite Schichten der Bevölkerung  erschwinglich ist, zu schaffen. Die tschechische Avantgarde  von fortschrittlichen Architekten bildete bald weltweit die Vorhut und trug mit ihrem theoretischen Werk und insbesondere mit ihren gelungenen Realisationen zur Vertiefung des neuen Stils bei.  Wobei war es Paradox, dass die Grundsätze des Funktionalismus meist konsequent  bei der Lösung von individual entworfenen Bauten und Innenräumen  der solventen Nutzer angewendet wurden.

 

Die genaueste Definition des orthodoxen Funktionalismus formulierte bei uns in seinen Vorlesungen und Publikationen Karel Teige. In den theoretischen Überlegungen gelang er zur Vision einer typisierten Wohnung, die nicht durch die Menschen selbst eingerichtet wird. Der Kunde bekommt die Einrichtung vom Baulieferant und in der Wohnung sind alle Funktionen ausgeschlossen, die in gemeinsamen Räumen erfüllt werden können. Die Wohnung kann dadurch nicht nur von vielen Funktionen, aber auch von allen überflüssigen Möbeln befreit werden. In seinen letzten Überlegungen schloss der Autor in der Wohnung alles mit Ausnahme vom Schlafen und Lesen aus. Alles Sonstige sollte in eine gemeinsame gesellschaftliche Einrichtung übertragen werden, das Essen in die gemeinsamen Küchen, Kindererziehung in die Kinderkrippen und Spielräume, persönliche Hygiene in die öffentlichen Bäder. Letztendlich konnte das Lesen in die öffentlichen Bibliotheken übertragen werden, und in der Wohnung konnten ein Bett und Lagerplatz für persönliche Gegenstände und Bekleidung ausreichend sein. Die Architekten, die zu Beginn der Zwischenkriegszeit lebten und schufen, widerspiegelten in ihrem Werk nicht nur die Atmosphäre, die voll von Gegensätzen war, sondern sie bemühten sich auch diese Theorien zu realisieren.

 

Neue Einrichtungsstandards, Entstehung vom Sektormöbel

 

Schon am Anfang der 20er Jahren entstand die Vorstellung, dass die strenge wissenschaftliche Einstellung, die auf der Untersuchung der menschlichen Bedürfnissen basiert, die Schaffung von Standardprodukten, ihre Typisierung und Rationalisierung vereinfachen, sowie ihre Wirtschaftlichkeit  sicherstellen sollte. Es handelte sich um asketische Anforderungen und gleichzeitig auch um Anti-Ästhetizismus. Die Absicht war, die Rückkehr des alten Dekorativismus zu verhindern, der die Schaffung von mehreren vorherigen Generationen  belastete. Bei kritischer Untersuchung dieser Einstellung darf man nicht vergessen, dass  zum ersten Mal in der europäischen Geschichte der Möbelkunst die Möbel ohne Ornamente hergestellt wurden.  Um die Wende der 20er und 30er Jahre entstanden experimentale Entwürfe  der Wohneinrichtung einer ganz neuen Art. Die Möbellösungen in den Innenräumen wurden vom Bauwerk übernommen. Die großen Schränke und Kammer verschwanden und sie wurden durch eingebaute Schränke und Kammer ersetzt.  Bestandteil des Baues war in diesen experimentalen Projekten auch die Küchenmöbel. Für die Designer war das Sitzmöbel erstrangig. Zu dieser Zeit entwickelte sich und reifte der Gedanke eines Baukasten- oder Sektormöbels aus.  Das Sektormöbel beruhte auf dem Prinzip der nüchternen geometrischen Raster. De Stijl, Mondrianscher Neoplastizismus, Bauhaus, Funktionalismus –  alle diese Richtungen, die zur Entwicklung der Architektur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beitrugen,  erhoben den Rechtwinkel zum Glaubensbekenntnis.

 

Zweckmäßigkeit ohne Gemütlichkeit, orthodoxer Funktionalismus

 

Vor allem wurde vergessen, dass der Einklang zwischen der Konstruktion und Schönheit zufällig und dadurch auch unsicher ist. Sie vergaßen, dass wenn es schon dazu kommt, dass es nicht automatisch ist. Das zweckmäßig berechnete Möbel, wissenschaftlich ermittelte Parameter der einzelnen Möbelstücke sollten auch in Zukunft angewendet werden. Die nicht verzierten glatten Flächen ohne Ornamente und Dekor  galten als Kredo, mit welchem sich der Funktionalismus von Anfang an präsentierte.  Mit Ablehnung der überflüssigen Verzierung verließ er alles, was dem Dekorativismus diente.  Es wurde dabei aber vergessen, dass neben der praktischen Hinsicht bei den Bauten und Möbeln auch ihre gesellschaftliche Nutzung wichtig ist. In den Vorstellungen und Proklamationen der avantgardistischen  Architekten wurde am Anfang die ästhetische Erfahrung, die den kulturellen Wert der Gegenstände schafft, völlig bestritten. Die Welt der Gegenstände – die nach diesen Vorstellungen ohne Rücksicht auf die Ästhetik orthodox geschaffene Umwelt war am Anfang ziemlich ungemütlich. Die Räume mit leeren Wänden ohne Dekorationen, Bilder, Teppiche mit möglichst wenig Möbel erweckten nicht das Gefühl von einem gemütlichen Zuhause. Die Absicht war, vom überflüssigen Dekorativismus zur Reinheit der Form – zum Funktionalismus zu übergehen, der aber mit seiner Sterilität, orthodox der Gemütlichkeit vorbeugte.

 

Funktionalismus mit Ästhetik

 

In der Schaffung der jüngeren Vorkriegsgeneration, die sich mit der Lösung von Räumen und Möbelentwürfen befasste, fand wieder ihre Bedeutung die emotionale Wirkung. Die Autoren  von so aufgefassten Möbelstücken knüpften an den Fortschritt der funktionalistischen Einstellungen  im größeren Umfang an. Insbesondere dadurch, dass Sie beim Funktionalismus die Ästhetik  betonen konnten.

 

 

(Quelle: Stanislav Dlabal, Nábytkové umění – vybrané kapitoly z historie)